Jörg

Im letzten Jahr, bei der 24-Stunden-Wanderung am Bodensee, habe ich Kathrin kennen gelernt. Mit vier Freunden hatte sie damals an unserer ersten Bodensee-Wanderung teilgenommen. Bei einem sehr unterhaltsamen Gespräch in der Nacht gab sie mir unbeabsichtigt die Idee für eine 12-Stunden-Wanderung. Bei der Online-Recherche nach einer Nachtwanderung hatte ihr Google unsere 24-Stunden-Wanderung ausgespuckt und sie hat sich angemeldet. Gut, denke ich mir, 24-Stunden sind etwas länger als eine Nacht, die Anstrengungen etwas größer, die Herausforderung eine andere. Aber die Idee ist gut. Warum sollten wir nicht auch eine 12-Stunden-Wanderung durch die Nacht anbieten? Gesagt getan, die Idee war geboren. Mein Team war sofort von der Idee begeistert und eine Strecke war im Handumdrehen gefunden. Vom Münstertal aus soll es über den Schauinsland zum Belchen und hinunter nach Schönau ins Wiesental gehen. Ein Heimspiel für uns Hinterwälder.

In gewohnter Routine gingen wir an die Planungen, wählten sorgfältig die schönsten Wege aus,  fragten bei den Einkehrstationen an und arbeiteten nach Schweizer Präzision einen Zeitplan aus. Alles war wie immer perfekt vorbereitet. Sieben Jahre Erfahrung sind mit eingeflossen. Am Samstag, 29. Juli ging es nun endlich los. Um 19 Uhr trafen die ersten Teilnehmer schon beim Kloster im schönen Münstertal ein. Es waren bekannte Gesichter dabei, die schon unsere 24-Stunden-Wanderung gemacht hatten. Neue Gesichter aus ganz Deutschland, die teilweise auch schon 24-Stunden Wandererfahrung hatten oder sich langsam ran tasten wollten. Aber auch Einheimische aus Staufen, die einfach Lust auf dieses Erlebnis in einer Gruppe Gleichgesinnter hatten. Die ganze Woche hatte es aus Kübeln geschüttet. Am Samstag aber zeigte sich der Schwarzwald von seiner allerschönsten Seite. Tagsüber warme 28 Grad, abends noch angenehme 20 Grad. Gegen 20 Uhr warf die Sonne im oberen Münstertal schon lange Schatten. Die Hügel um uns herum strahlten in saftigem Grün mit dem blauen Himmel um die Wette und in den Gesichtern der Teilnehmer waren Vorfreude und Anspannung gleichermaßen zu spüren.

Unser Premieren 12-Stunden Guide-Team bestand aus Annika, Kim und mir. Paddy hatte sich bereit erklärt die Organisation im Hintergrund zu übernehmen. Für uns alle etwas ungewohnt, da Sie eigentlich unsere Dauerläuferin ist. Auf ihre Hinweise und Tipps mussten wir so jedoch nicht verzichten. Um 20 Uhr ging es dann endlich los. Wir bogen in den schattigen Talweg ein und schraubten uns langsam aus Niederungen in die Höhe. Die Blicke in die vielen Seitentäler des Münstertals, auf die umliegenden Schwarzwaldberge und hinunter ins Rheintal begleiteten uns bis in die Dämmerung, die uns kurz vor dem Schauinsland ganz das Licht ausmachte. Fuchs und Hase verabschiedeten sich in die Nacht. Es war dunkel. Stockdunkel sogar, wie Annika sich später über mich lustig machte. Zwei kräftige Jungs aus Wehr haben sich etwas zurückfallen lassen und hielten so Sicherheitsabstand vor Jasmin, die zuvor klar machte, dass sie ihre Fitness hauptsächlich durch intensives Kickbox-Training bekommt. Unter uns flackerten die Lichter im Rheintal, über uns funkelten die Sterne und am Horizont war auch ein Wetterleuchten zu sehen. Es sollte uns aber nicht beeinträchtigen. Wieder einmal war der Wettergott ein Wanderfan. Vergellts Gott!

Kurz nach 23 Uhr standen wir vor der Almgaststätte am Haldenköpfle. Frau Winter hatte uns dort zu später Stunde mit ihrem Team erwartet und ein Wanderschlemmerbuffet vom Feinsten gezaubert. Kartoffelsuppe, Nudelsuppe, Säfte, Wasser, verschiedene Kuchen, Café und Tee sorgten dafür, dass alle frisch gestärkt wieder in die Nacht eintauchen konnten. Einige saßen auf der Terrasse, auf der es noch immer angenehm warm war. „Jörg, gibt es hier Übernachtungsmöglichkeiten“ wurde ich angesprochen? Ich grinste nur. Nein, wir gehen gleich weiter! Nach einer Stunde Pause streiften wir uns eine Jacke über, schulterten unsere Rucksäcke, und zogen weiter in die Nacht. Vom Haldenköpfle ging es in Richtung Notschrei. Fünf Teilnehmer aus Wehr, die Ende Juli normalerweise ihr Dorf nicht verlassen, um das alljährliche Laubenfest zu feiern, waren in eifrigem online Kontakt mit gefühlt allen Festbesuchern in Wehr. Bis irgendwann die Netzverbindung abgebrochen ist und das Laubenfest nun endgültig ohne sie stattfinden musste. Winfried, der aus dem Allgäu angereist war, hatte schon erste Ermüdungserscheinungen. Sie sollten die nächsten Stunden anhalten. Genau wie sein Wille die Wanderung bis zum Ende durchzuziehen. Egal was kommt.

Es begann die Zeit der Geschichten. Jeder hatte seine eigene und einige davon wurden erzählt. Andrea erzählte von ihrem Job in einer Gin-Destillerie. Wir erfuhren wie der Monkey zu seinem Affen kam und sogar fünf Zutaten der 47 konnten wir erraten.

Vor mir hörte ich von der 24-Stunden-Wanderung vom Edersee, die ein Teilnehmer schon mehrmals absolviert hatte. Dort gab es gleich zu Beginn der Wanderung eine Fahrt mit dem Schiff über den See inkl. Frühstück. Gewässer hat der Schwarzwald leider nicht viele zu bieten. Wir müssen Laufen.

Eine Geschichte hatte mich ganz besonders beeindruckt. Weil er nachts sowieso nicht richtig schlafen kann, entschied sich ein Teilnehmer die Nacht mit uns durchzuwandern. Es gibt kreative Lösungen und pragmatische Lösungen, denke ich mir und hatte dabei großen Respekt, wie positiv er seine gesundheitlichen Probleme anging. Die Schlafstörungen waren, wie ich später erfuhr, sein kleinstes Problem.

Vom Notschrei ging es schnurstracks in Richtung Wiedener Eck. Ein Schlenker über Ungendwieden und den Rüttener Höhenweg brachte uns mitten in der Nacht in Kontakt mit verschiedenen Festen, die im Tal unter uns stattfanden. Wir hörten Helene Fischer trällern, atemlos durch die Nacht, bis der neue Tag erwacht. Es sollte auch unser Motto werden. Kurz vor dem Wiedener Eck breitete sich ein faszinierender Sternenhimmel über uns aus. Wir machten für eine kurze Zeit die Stirnlampen aus und hielten inne. Ein Moment den jeder für sich ganz alleine genoss. Der Wind war still, die Temperaturen angenehm warm und der Weg das Ziel. Am Wiedener Eck wartete Patricia mit einem Nusszopf und Tee genau zur richtigen Zeit. Es war 3.15 Uhr. Eigentlich wollte keiner absitzen, aber Pause muss sein. Auch bei einer 12-Stunden-Wanderung muss es genügend Pausen zu Erholung geben. Vor allem hier, als nächstes stand nämlich der Anstieg zum Belchen auf dem Plan. Annika übernahm die Führung und ging nach der Stärkung und kurzem Powernap in gemächlichem, aber gleichmäßigem Tempo, die Strecke zum Belchen an. Bis zur Krinne ging es auf wurzeligen Pfaden noch sanft bergauf. Ab dann wurde es steil. Die Dämmerung brach herein, um uns herum wurde es langsam wieder hell. In Serpentinen schraubten wir uns zum Belchengipfel, den wir erschöpft aber glücklich fünf Minuten vor dem Sonnenaufgang erreichten. Alle genossen diesen Moment der Wärme, das faszinierende Naturschauspiel, den Lohn der Anstrengungen der Nacht. 10 Stunden lagen hinter uns. Winfried genoss diesen Moment ganz intensiv mit der Entschlossenheit, jetzt auch noch die letzten zwei Stunden hinter sich zu bringen. Aber erst wartete noch das Frühstück auf uns.

Um 6.20 Uhr herrschte schon reger Betrieb im Belchenhaus. Fleißige Bienchen sorgten mit einem großen Buffet für unser leibliches Wohl. An den Tischen hing jeder seinen Gedanken und den Anstrengungen der Nacht hinterher. Es  wurde ruhig bei Café, Tee, Brötchen, Marmelade, Käse, Schinken, Eier, Obst und vielen anderen Leckereien. Vor dem Belchenhaus kamen Radfahrer an, die sich an diesem Tag von Heitersheim aus auf alle drei Belchen in der Region quälen wollten. Warum tut man sowas, fragten wir sie. Warum wandert ihr 12-Stunden, war die Gegenfrage. Eine Antwort hatte keiner. Plötzlich, kurz vor 7 Uhr ein Aufschrei. Wir müssen weiter! Puh. Warum? Wie lange noch? Noch eine Stunde lag vor uns. Es wurden zwei. Wir genossen den Abstieg nach Aitern mit Blasen an den Füßen, der Müdigkeit im Nacken, Schmerzen in den Oberschenkeln, faszinierenden Ausblicken in das Obere Wiesental und dem Gewissen, auch dieses Abenteuer irgendwann geschafft zu haben. Gemeinsam mit allen Teilnehmer entschieden wir die Zeit einfach Zeit sein zu lassen und die letzten Kilometer nicht in Hektik zu verfallen. Die Erlösung kam im Ziel. Paddy erwartete uns an der Wassertretstelle in Aitern mit Schnaps und einem Strahlen im Gesicht. Einige sprangen gleich in das kühle Wasser. Andere waren den Tränen nahe und genossen den Sieg gegen ihren inneren Schweinehund im Hintergrund für sich alleine. Kathrin freute sich nun endlich Ihre Nachtwanderung gemacht zu haben. Winfried war müde, seine Beine schmerzten. In den Augen aber sah man den Stolz, den er sich verdient hatte. Es brauchte dafür keine Worte. Eines hatten alle nach 13 Stunden, 35 Kilometern und über 1.100 Höhenmetern gemeinsam. Den Stolz etwas getan zu haben, das man heute Komfortzone verlassen nennt. Warum tut man sowas? Keiner hatte spontan eine Antwort. Aber fast alle waren sich einig. Wir würden es wieder tun!

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Patricia

Weil es vor drei Wochen so schön war, machen wir uns noch einmal auf den Weg: In 24 Stunden von Albbruck nach Kirchzarten. Knapp 70 Kilometer und über 2.000 Höhenmeter nehmen dieses Mal 45 Teilnehmer mit uns Guides Markus, Andi und Paddy in Angriff. Wieder haben wir großes Wetterglück. Zwischendurch bekommen wir zwar ein paar wenige Regentropfen ab; diese sind jedoch eine willkommene Abkühlung auf den verschwitzten Gesichtern. Und wieder geht morgens auf dem Feldberg die Sonne hinter den Wolken auf, ohne dass sie sich uns zeigt. Zahlreiche Geschichten, Erlebnisse und Beweggründe der Teilnehmer machen auch diese Tour zu etwas Einzigartigem.

Im Blogbericht „Von riesigen Dachsen, lauten Revoluzzern und einer romantischen Hochzeitsreise“ wird die Strecke beschrieben, die wir bereits beim ersten Termin vor drei Wochen gewandert sind.

„Papa, warum wanderst du 24 Stunden lang?“, wurde unser Elzacher Teilnehmer Jürgen von seinem dreijährigen Sohn gefragt. „Das weiß ich selber nicht so genau“, antwortete Jürgen kurz vor dem Start der 24-Stunden-Wanderung. Als wir 24 Stunden später im Ziel angekommen sind, will ich von Jürgen wissen, was er jetzt seinem Sohn antwortet, wenn dieser ihn nochmals nach dem Warum fragt. „Das weiß ich immer noch nicht“, antwortet Jürgen lachend und müde, aber glücklich!

Und hier ein paar Fotos von der Tour:

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Patricia

Schwarzwälder Tapas-Wanderung

24. Juli 2017 by Patricia · Keine Kommentare

Während unten im Tal die Sonne bruzzelt, lasse ich mir die kühle Bergluft um die Nase blasen. Ich atme tief ein und genieße den umwerfend schönen Ausblick vom Schauinsland-Turm. Zum Greifen nah erscheint der Feldberg vor mir, mit seinen 1.493 Metern der Höchste im Schwarzwald. Der Blick reicht übers Rheintal bis zu den benachbarten Vogesen. Und sogar die Alpengipfel zeigen sich am Horizont mit ihren schneebedeckten Spitzen. Traumhaft!

Eine Stunde zuvor bin ich zur Schwarzwälder Tapas-Wanderung gestartet. Mit einem kleinen, aber feinen Frühstück ging es im Restaurant der Bergstation los. Im Panoramarestaurant hat man neben den Gondeln der Schauinslandbahn auch noch den Ausblick hinab ins Tal im Blick. Das Birchermüsli gibt Kraft für den kurzen Anstieg hinauf zum Schauinslandturm. Es bleibt genügend Zeit, um hier zu Verweilen, bevor die Vorspeise im Hotel Die Halde ansteht. Auf dem Weg dorthin, winkt von links der Feldberg und von rechts die imposante Kuppe des Belchen. Einfach schön hier oben!

Eine Vorspeise-Etagère vom Feinsten plus ein frischer Sommersalat warten in der urigen Schwarzwaldstube auf mich. Dazu ein Krug Holunderwasser. Mir geht’s gut!

Eigentlich will ich gar nicht weiter, aber das nächste Highlight wartet auf mich. Über herrlich bunte Bergwiesen führt der Weg hinab zum idyllisch gelegenen Zähringerhof. Auf der Terrasse wird mir auf einer Schiefertafel ein vegetarischer Burger mit einem Blumenkohltaler sowie warmer Ziegenkäse serviert. Ein Traum! Auch die Fleischesser kommen ins Schwärmen. Denn die bekommen einen „richtigen“ Burger plus selbstgemachte Kalbsbratwurst. Der Hausherr und Koch Christoph Riesterer kreiert immer das, was saisonal gerade ansteht und was aus der Region stammt.

Gut gestärkt geht es nun hinauf. Zunächst über weite Wiesen mit herrlichen Ausblicken hinunter ins schöne Münstertal, später über wurzelige und schattige Waldwege, bis ich wieder bei der Bergstation der Schauinslandbahn ankomme. Das Dessert ist das Tüpfelchen aufs i bei dieser Schwarzwälder Tapas-Wanderung. Wenn ich nicht so satt wäre, würde ich die Runde grad nochmal in Angriff nehmen…!

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Jörg

Aufgrund der großen Trockenheit in diesem Sommer hat die Wutach einen sehr niedrigen Wasserstand. Im Bereich der Versickerung ist der Fluß so gut wie ausgetrocknet. Der Wutachranger Martin Schwenninger weisst darauf hin, dass die Flora und Fauna dadurch gestresst ist und bittet die Wanderer auf den Wegen zu bleiben. Ebenso besteht aufgrund der Trockenheit eine erhöhte Waldbrandgefahr.

In den Ferienzeiten werden in der Wutachschlucht geführte Wanderungen angeboten. Naturkundliche Touren mit dem Wutachranger Martin Schwenninger oder mit Ernst Albert starten jeweils am Dienstag um 10 Uhr in Boll am Wanderparkplatz.

Aktuell (Stand 6. Juli) sind alle Wege in der Wutachschlucht und den Seitenschluchten gut begehbar. Es gibt keine Umleitungen. Nach Gewitterschauern können die Wege vorübergehend rutschig sein.

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Patricia

Die 24-Stunden-Wanderung 2017 von Albbruck nach Kirchzarten

Die Luft ist zum Zerschneiden, als wir aus dem klimatisierten Bus aussteigen, der unsere Teilnehmer von Kirchzarten zu unserem Startpunkt der 24-Stunden-Wanderung nach Albbruck bringt. Ich linse hinüber zur Temperaturanzeige der Sparkasse: 23.06.2017, 11:47 Uhr, 34 Grad. Das wird eine Hitzeschlacht! Um punkt halb eins legen wir los: 24 Stunden wandern von Albbruck nach Kirchzarten – vom Hotzenwald über den Hochschwarzwald bis vor die Tore von Freiburg. Voller Freude, Aufregung und Spannung, was uns da erwartet, legen wir los. Schon nach wenigen Metern tauchen wir ein in den Wald, so dass uns die Bäume gut abschirmen von der Sonne, die weiter gnadenlos hinunter brezelt. Das Geplapper unter den 47 Teilnehmern hält Schritt mit den Füßen, die stetig bergauf marschieren. Viele alte Bekannte, die sich schon mehrmals auf das Abenteuer 24-Stunden mit uns eingelassen haben, treffen auf neue Gesichter. Rolf aus Kissing, der bereits zum dritten Mal dabei ist, wundert sich, dass bei den vier Guides auch ein Mann dabei ist. „Sonst ward ihr doch immer nur Mädels!“ Tja, in diesem Jahr ist Marc unter den Guides unser Quoten-Mann neben Sarah, Kim und Paddy.

Geschichtsträchtig geht es los, als wir auf dem neuen Albsteig durch den berüchtigten Hotzenwald wandern. Denn wir erfahren hier, dass die Hotzenwälder richtige Revoluzzer waren und zu den Zeiten, als sie noch zu Vorderösterreich gehörten, die Bauernaufstände angezettelt haben. Diese gipfelten schließlich in den Salpetererkriegen. Was es mit den Salpeterern auf sich hatte, das haben die Teilnehmer bestimmt verinnerlicht… und woher der Name „Hotzenwald“ kommt, auch! Waren nun die „Trachtenhosen“ die Namensgeber, die „Wälder“ oder liegt es doch daran, dass die Hotzenwälder gerne Hutzelbrot essen?!

Kurz vor unserer ersten Einkehrstation müssen wir etwa einen Kilometer den Asphalt hinauf gehen. Die Sonne brennt. Das Gasthaus Löwen in Tiefenstein lockt. Dort angekommen, bricht der Schweiß am gedeckten Tisch erst richtig aus. Der Ort wird von uns in „Triefenstein“ umbenannt. Die Fenster laufen an. Arme Bedienung! Schnitzel, Spätzle, Pommes und Salat kommen jetzt genau richtig und geben Energie, für das, was kommt!

Weiter geht es durch die Höllbachschlucht. Schöner könnte der Weg bei diesen Temperaturen nicht sein. Wir werden förmlich vom Wald verschluckt und erst nach Stunden wieder ausgespuckt. Zwischendurch ist Zeit, um in der nicht mehr ganz so kühlen Alb die Füße einzutauchen. Das tut gut!

Wir nähern uns Dachsberg. Der Name ist hier wohl Programm. Denn plötzlich galoppiert von links oben ein Dachs im Schweinsgalopp (oder müsste das nicht eher „Dachsgalopp“ heißen?!) auf uns zu. Kurz vor knapp, mit seinen kurzsichtigen Augen, bemerkt er uns und bremst doch noch ab. Zum Glück, denn das Tier ist riiieesig…zumindest für mein Empfinden. Von unserer Sarah – die Jägerin ist – erfahre ich allerdings, dass es sich lediglich um einen Jungdachs handelt. Nicht nur der Dachs, auch ich bin kurzsichtig. Na dann…!

In Wolpadingen wartet unser Jörg mit Wassernachschub auf uns. Eigentlich ist er mit unserem Logistikfahrzeug unterwegs, zieht im Hintergrund die Fäden und steht für Notfälle parat. Bei den heutigen Temperaturen benötigen wir ihn zusätzlich immer wieder als Wasserträger!

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gelangen wir zum Klosterweiherhof in Wittenschwand. Mit Suppe und Kuchen stärken wir uns für die Nacht. Die Pause tut gut. Schließlich sind wir schon seit neun Stunden unterwegs. Die Stirnlampen werden ausgepackt, das Nachtgewand angezogen, die Zähne geputzt und los geht’s. Über den Schluchtensteig gelangen wir nach St. Blasien hinab. Im Dunkeln sehen wir schon von weitem die beleuchtete Kuppel des Doms. Leise marschieren wir am Kolleg St. Blasien vorbei und machen aus auf den Weg nach Menzenschwand. Es ist 0 Uhr. Zeit, um für unseren Teilnehmer Michael ein Geburtstagsständchen zu singen. Wieso er um alles in der Welt die 24-Stunden-Wanderung gewählt hat, um seinen Geburtstag zu feiern, will ein Teilnehmer wissen. „Der Termin lag halt einfach so“, antwortet Michael. Tja…so einfach ist das manchmal!

Aber nicht nur Michael hat etwas zu feiern; auch unser Pärchen Melanie und Martin aus Hechingen hat einen besonderen Anlass: Für sie ist die 24-Stunden-Wanderung ihre Hochzeitsreise, nachdem sie im April spontan geheiratet haben. Ein ganz kleines bisschen romantisch geht es bei uns schließlich auch zu, als wir nachts die Stirnlampen ausschalten und den Sternenhimmel über uns bewundern.

Aber die Romantik geht beim ein oder anderen sicherlich flöten beim Kampf gegen die Müdigkeit, gegen die Nacht, gegen den inneren Schweinehund und gegen den ellenlangen Weg nach Menzenschwand, der mitunter ganz schön eintönig erscheint. Um kurz vor drei Uhr morgens gelangen wir zum Café und Bergbeizle Kuckuck, auf dessen Terrasse uns eine gute Fee Tee und Kuchen bereit gestellt hat. Lange pausieren können wir allerdings nicht. Denn der Feldberg ruft. „Jeder geht in seinem eigenen Tempo die 8 km und die 600 Höhenmeter hinauf“, stimmen wir Guides die Teilnehmer auf den Anstieg ein. Für die erprobten Wanderer ist das eine willkommene Einladung, um Gas zu geben. Strammen Marsches wird der Berg in Angriff genommen. Für die Endmoräne des Feldberggletschers, der uns auf der rechten Seite flankiert, hat keiner mehr einen Blick. „Toll, dass wir hier so schnell gehen durften, wie wir wollten“, raunt mir die topfitte Franziska später zu.

Doch was ist das? Gerade, als wir in Richtung Seebuck – dem Nachbarn des Feldbergs – marschieren, ziehen Wolken auf. Die Sonne geht auf…nur wir sehen sie nicht. Nur ein roter Balken ist gen Osten zu sehen. Nieselregen, Wind und Müdigkeit lassen uns nun auf dem Gipfel des Seebuck doch frösteln, nachdem fast alle die Nacht in kurzen Hosen und T-shirts durchwandert sind. Die Letzten werden zwar heute nicht die Ersten sein, aber dafür diejenigen mit dem meisten Glück: unsere Schlusslichter werden tatsächlich für drei Sekunden mit einem feuerroten Sonnenball belohnt, der sich ganz kurz durch die Nebeldecke kämpft. Doch nochmal ein bissle Romantik für unsere Flitterer! Der schnelle Trupp ist zu der Zeit bereits auf dem Weg hinüber zum Feldberg. Die Aussichtsplattform des „Höchsten“ mit seinen 1.493 Metern lassen wir heute jedoch rechts liegen und steigen hinab zur St. Wilhelmer Hütte, in der die Vollmers schon mit einem herrlichen Frühstücksbuffet auf uns warten.

Kaffee, Weckle, Müsli, Spiegelei und nicht zuletzt das Tageslicht geben uns allen wieder neue Energie. Für unser Geburtstagskind Michael hat sich sogar noch ein Schnäpsle im Vogelhiesli vor der Hütte versteckt. Kann man ja morgens um sieben Uhr mal trinken…!

Von nun an geht’s fast nur noch bergab. Ein doofer Gegenanstieg bei der Stollenbacher Hütte ist unumgänglich. Aber mittlerweile sind wir alle nur noch am Kilometer abspulen, so dass es fast egal ist, was da noch kommt. Schier unendlich scheint der fast vier Stunden lange Abstieg über breite Wege und über schmale Pfade. Plötzlich taucht vor uns ein Auerhuhn auf. Was für ein seltener Anblick von diesem scheuen und vom Aussterben bedrohten Tier. Für das Beweisfoto fehlt die Zeit, denn schnell hüpft und flattert das Tier davon.

Nochmals höchste Konzentration fordert der Felsenweg, der über steinige Pfade vorbei an Kletterfelsen führt. Es schießt in den Rücken und in die Knie. Und es geht immer weiter bergab. „0 % Lust habe ich noch“, tönt es da vereinzelt. Doch keiner wird jetzt noch aufgeben. Im Hirschen in Oberried werden wir mit einem Badischen Dreierlei aus Wurstsalat, Bibiliskäs und Brägele wieder aufgebaut.

Jetzt sind es nur noch 3 km bis ins Ziel nach Kirchzarten. Das wird ein Triumphmarsch. „Alle schaffen das noch. Jeder geht sein eigenes Tempo.“ Diese Ansage nehmen die Bergläufer Frank und Daniel wörtlich: sie joggen ins Ziel! Chapeau!

In Kirchzarten dürfen wir Guides jedem der 44 Teilnehmer, die es ins Ziel geschafft haben, eine Medaille umhängen. Wir umarmen uns. 68 Kilometer und über 2.000 Höhenmeter liegen hinter uns. „Zwischendurch habe ich dich so oft verflucht“, bekomme ich zu hören. Oder „Es war sauanstrengend“. Aber am Ende sind alle glücklich, es geschafft zu haben. Die ein oder andere Freudenträne kullert hinunter.

Für zwei Freundinnen waren die 24-Stunden ein Trainingslauf für ihre Alpenüberquerung in 3 Wochen. Für Sascha war es die Kür nach seinem 900 km langen Jakobsweg im Frühjahr. Für Michael war es mit seinem Kumpel Manuel die Geburtstagsfeier. Für unser Hochzeitspaar waren es die Flitterwochen. Für Kerstin und Florian war es eine schöne und herausfordernde Abwechslung zu den Wandertouren in ihrer Heimat, dem Harz. Für unsere Pink-Lady aus Hannover war es ein willkommener Anlass, um alle ihre bunten Klamotten auszuführen. Für unsere dreifach-Mama war es eine gelungene Auszeit statt eines Wellnesswochenendes. Für Beatrix war es eine entspannte sowie kulinarische Tour nach ihrem Rigi-Marsch. Und für alle unsere Bergläufer war es sowieso ein Klacks!

Und für uns Guides…was soll ich sagen: „Es war einfach wieder „ä Träumli“. Auch im siebten Jahr war diese 24-Stunden-Wanderung wieder etwas ganz Besonderes für uns dank einer wunderschönen Strecke, aber vor allem dank ganz wundervoller Teilnehmer, die das gemeinsame Erlebnis zu etwas Einmaligem gemacht haben.“

 

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Patricia

Wer mit dem Fahrrad durch das hügelige Markgräflerland fahren will, sollte sich fragen, wieviele Gänge es wohl braucht. So fängt der Erlebnisbericht von Anita Fertl an, die Mitte Mai unser neues Angebot, die kulinarische Radtour im Markgräflerland ausprobiert hat. Eine andere Frage stellt sich auch noch, was will man sammeln? Kilometer, Kalorien oder Höhenmeter. Mein Tipp, am Besten alles, denn Genuss und Aktivität gehören im Markgräflerland einfach zusammen.

Auf 35 Kilometern, die mit dem Rad hauptsächlich auf ruhigen Radwegen und leicht hügeliger Strecke zurück gelegt werden, haben wir ein 4-Gang-Menü zusammengestellt. Die Radtour beginnt mit einem Frühstück im Café Schwarzwaldschön in Staufen. Während über Ihnen die Burg thront können Sie bei schönem Wetter direkt auf dem Marktplatz das Frühstück geniessen.

Danach schwingen Sie sich auf Ihr Rad und machen sich auf den Weg. Entlang der Weinberge und über leicht hügelige Wege führt Sie die Radrunde nach Müllheim, wo die Vorspeise im Restaurant Altes Spital auf Sie wartet. Frisch gestärkt geht es weiter nach Heitersheim. Hier wird die regionale Hauptspeise für Sie im Restaurant Ox eingedeckt. Anschließend radeln Sie am schönen Heitersheimer Schloss vorbei nach Staufen. Den Schlossberg mit der Staufener Burgruine haben Sie dabei schon lange im Blick. Abschließend werden Sie in der Altstadt von Staufen mit einem Eis vom Bauernhof in der Kalten Sophie belohnt.

Das Angebot ist täglich buchbar von April bis Oktober. Weitere Informationen finden Sie >> hier

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Jörg

Die Umleitung am Kanadiersteg auf der zweiten Etappe des Schluchtensteiges, die von Blumberg zur Schattenmühle führt, ist seit Anfang Mai 2017 aufgehoben! Innerhalb kürzester Zeit nach dem das Regierungspräsidium das okay für die beiden Brücken gab, machten sich die freiwilligen Helfer der Schwarzwaldvereinsortsgruppen Bonndorf und die Gemeinde Wutach an die Arbeit und haben zwei tolle Brücken gebaut. Damit ist die Etappe von Blumberg zur Schattenmühle durch die Wutachschlucht wieder ohne Zeitverlust und Umleitung begehbar.

18342232 1706589486051807 8142323909455727592 N-300x200 in Neue Brücke am Kanadiersteg in der Wutachschlucht

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Jörg

Die 12 Stunden von Todtnauberg

28. August 2009 by Jörg · Keine Kommentare

Für Hardcore Biker ist die Teilnahme daran Pflicht! Andere wiederum schütteln ungläubig den Kopf, wenn sie sehen, dass es Mountainbiker gibt, die im Schwarzwald 12 Stunden eine 14 Kilometerrunde fahren um dabei möglichst viele Kilometer zu sammenln. Die besten fahren morgen in Todtnauberg, zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends, unglaubliche 252 Kilometer mit den Stollenreifen. Der Ort im oberen Wiesental bietet allerdings landschaftliche Abwechslung und wem es dann doch zuviel ist, der kann sich die 12 Stunden auch auf 2er, 3er oder 4er Teams aufteilen. Es wartet eine vielfältige Strecke und ein tolles Publikum auf die Biker. Und für die Zuschauer gibt es ebenfalls Abwechslung. Vor drei Jahren war ein Einzelfahrer am Start, der es sich zum Ziel gemacht hat mit einer Kiste Bier auf dem Gepäckträger genau eine Runde, also 14 Kilometer zu fahren. Dieser musste sich die Flüssigkeitszufuhr sehr genau einteilen, damit diese auch bis zum Schluss ausreichte, aber es hat gepasst 😉 Und noch was, er hat viele neue Freunde kennen gelernt. Ein weiterer Grund um morgen mal nach Todtnauberg zu schauen!

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Patricia

Am Sonntag, den 26. Juli ist es endlich soweit! In aller Herrgottsfrüh werde ich das erste mal in diesem Sommer zum Sonnenaufgang auf dem Belchen wandern! Wer dieses Naturschauspiel noch nie erlebt hat, sollte dies schleunigst nachholen! Bis zum 1414 m hohen Gipfel wandert man von der Talstation der Belchen-Seilbahn so ca. 1 bis 1,5 Stunden. Die ersten Sonnenstrahlen und die unbeschreibliche Aussicht belohnen jede Mühe! Danach gibts natürlich noch ein ausgiebiges Bergfrühstück im Belchenhaus…

Sonnenaufgang-am-belchen in Sonnenaufgang auf dem Schwarzwald Belchen

Also, wenn Ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, dann meldet euch doch einfach noch an und kommt am Sonntag mit mir mit! Ich freu mich schon riesig drauf, zumal die Wetteraussichten auch super sind.  Wir sehen uns auf dem Belchen!

>> Anmeldung zur Wanderung

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Patricia

Wir waren beim größten Mountainbike Marathon des Schwarzwald an der Alpe de Fidlebrugg, der Rampe in Aftersteg und haben dort für Euch die Stimmung eingefangen. Die Biker, die um 7.30 Uhr in Kirchzarten auf die Strecke sind, haben hier bereits 80 Kilometer in den Beinen. Und dann kommt dieser Anstieg…

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